Interview 01/17

Im Netzwerk groß geworden

RHENUS BULGARIEN FEIERT 25-JÄHRIGES BESTEHEN
1991 ist ein Jahr des Wandels: Die Sowjetunion zerfällt, der Zweite Golfkrieg endet und die Europäische Union beschließt die Einführung einer gemeinsamen Währung. Die Scorpions treffen mit ihrem Song „Wind of Change“ den Nerv der Zeit. In diese fällt auch die Gründung einer Gesellschaft, die den Grundstein der Rhenus in Bulgarien bildet. Auf ein bewegendes Vierteljahrhundert blickt Alexander Gechev, Geschäftsführer der Rhenus Bulgarien, im Gespräch mit Astrid Unverricht zurück.

Rhenus Bulgarien

Standort Bulgarien
 - Plowdiw - Warna - Sofia - Burgas -
 Die Ursprünge der Landesgesellschaft reichen zurück in die frühen 90er-Jahre.
Die ersten wöchentlichen Linien liefen zwischen Bulgarien und Deutschland.
Heute verfügt Rhenus über drei Warehouses am Flughafen von Sofia sowie zwei
Niederlassungen in Plowdiw und Warna. Darüber hinaus betreibt Rhenus Büros
und Lagerzentren in Sofia, Warna und Burgas.

Stadt Sofia

Astrid Unverricht: Herr Gechev, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 25. Firmenjubiläum im vergangenen Jahr. Erinnern Sie sich an die Anfänge der Unternehmensgründung?

Gechev: Natürlich! Die Gründung war ganz genau am 1. November 1991. Wir waren damals noch ein Teil der Hamann Gruppe, einer Spedition mit Hauptsitz in Hilden bei Düsseldorf. Daher liefen die ersten Sammelguttransporte auch zwischen den deutschen Städten Hamburg, Hilden, Frankfurt und München sowie unserer bulgarischen Hauptstadt Sofia.

Wie ging es dann weiter?

Gechev: Ein wichtiger Entwicklungsschritt war die Übernahme durch das Logistikunternehmen Interspe. Es entstand die Interspe Hamann Group (IHG), die sich in den 90er-Jahren zu einem der führenden Landtransporteure in Europa mit 5.000 Mitarbeitern entwickelte. In Bulgarien haben wir zu jener Zeit unseren ersten eigenen Logistikterminal am Flughafen von Sofia gebaut.

Kartenausschnitt Sofia und PlowdiwStandort Rhenus Logistics

Das Gründungsjahr Ihrer Landesgesellschaft geht einher mit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Was bedeutete dies für Ihre Arbeit in Bulgarien?

Gechev: Seit meinem ersten Arbeitstag im Jahr 1980 habe ich mit Unternehmen und Ländern außerhalb des so genannten Ostblocks gearbeitet. Ich reiste und verhandelte auf freier marktwirtschaftlicher Basis ohne jegliche Einschränkungen durch den Eisernen Vorhang. Aus meiner Sicht waren die Veränderungen seit den 1990er-Jahren eher sozial und politisch.

Was veränderte sich nach der Übernahme der Interspe Hamann Group durch Rhenus im Jahr 2006?

Gechev: Wir wurden als Gruppe deutlich größer und schlagkräftiger. Gemeinsam besaßen Rhenus und die IHG 200 Standorte in Europa. Gleichzeitig bedeutete die Integration der IHG ins Rhenus-Netzwerk die Basis für den Geschäftsbereich Freight Logistics der Rhenus. Natürlich sind eine derart starke Unternehmensgruppe und ein breites Netzwerk vorteilhaft auch für die eigene Landesgesellschaft. 

Konnten Sie sich in Bulgarien dadurch auch vergrößern?

Gechev: Richtig. Wir haben dann einen zweiten eigenen Logistikterminal ebenfalls nahe dem Flughafen in Sofia errichtet und später einen dritten Terminal in der zweitgrößten Stadt Bulgariens, in Plowdiw. Später kamen weitere Büros und Lagerzentren hinzu.

Kurz nachdem Rhenus die IHG übernahm, trat Bulgarien am 1. Januar 2007 der Europäischen Union bei. Welche Auswirkungen hatte dieses politische Ereignis auf die Arbeit der Rhenus Bulgarien?

Gechev: Es vereinfachte unsere Aktivitäten und öffnete der bulgarischen Wirtschaft die Türen für ausländische Investitionen. Ich erwarte auch künftig eine weitere positive Entwicklung Bulgariens.

Ihre ersten Warenverkehre machten Sie mit Deutschland. Mit welchen Ländern haben Sie heute den größten Warenaustausch?

Gechev: Deutschland ist nach wie vor wichtig, darüber hinaus Italien, die Tschechische Republik sowie die Türkei.

Ist Rhenus heute in Bulgarien eine bekannte Marke?

Gechev: Ja, sehr sogar. Wir sind sehr gut in das Rhenus- Netzwerk integriert und die Marktteilnehmer schätzen uns. Ich bin stolz darauf, dass Rhenus Bulgarien ein Unternehmen ist, das von vielen Akteuren in der Transport-und-Logistik-Branche anerkannt und als Partner ausgewählt wird.

Kartenausschnitt Warna & BurgasHafen Warna

Für welche Branchen sind Sie vornehmlich tätig?

Gechev: Wir arbeiten zum Beispiel für Automobilhersteller, die pharmazeutische und chemische Industrie, Einrichtungshäuser, die Metallverarbeitung, die Papierproduktion, den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Handel.

Was genau bieten Sie Ihren Kunden an?

Gechev:Anders als noch in unseren Anfängen fahren wir heute zahlreiche internationale Verkehre. Hierzu gehören beispielsweise Teil- und Komplettladungen in und aus allen europäischen Ländern sowie der Türkei, dem Iran und dem Nahen und Mittleren Osten. Darüber hinaus übernehmen wir multimodale Transporte über das Schwarze Meer, Containertransporte samt -handling, Zollaktivitäten, B2C-Transporte von Einrichtungsgegenständen sowie Lagerlogistik mit temperaturkontrollierten Bereichen für die pharmazeutische und chemische Industrie.

Portrait Alexander Gechev

Alexander Gechev

StandortBulgarien
Jahrgang1954
WohnortSofia
 

Der Geschäftsführer der Rhenus Bulgarien wurde 1954 in der
Hauptstadt Sofia geboren. Er erwarb seinen Master of Sciences
in Ökonomie & Logistik an der Universität Sofia und sammelte
erste Berufserfahrungen als Disponent bei SO MAT, wo er
nach weiteren betrieblichen und Management-Stationen mit
Einsätzen in Bulgarien, der Türkei, Griechenland, dem Iran, Irak,
Kuwait, Ägypten und Libyen bis zum Geschäftsführer aufstieg.
Seit 1991 arbeitet er für Rhenus sowie ihre Vorgänger in Bulgarien
und steuert die Entwicklung des Unternehmens seit mehr
als einem Vierteljahrhundert.

Das klingt sehr vielseitig und komplex. Mit welchen Problemen und Herausforderungen wurden Sie in den vergangenen 25 Jahren konfrontiert?

Gechev:Das Wort Problem gefällt mir nicht, ich spreche lieber von offenen Fragen, die geklärt werden müssen. Natürlich gab es über die Jahre immer wieder Herausforderungen, die wir gemeistert haben. Hierzu zähle ich die Entwicklung der Rhenus-Infrastruktur in Bulgarien und die Eröffnung unseres administrativen Büros im Hafen von Warna.

Das größte Kapital eines Unternehmens sind seine Mitarbeiter. Stimmen Sie dem zu?

Gechev: Absolut. Bei uns arbeiten mehrere Generationen erfolgreich zusammen. Wir suchen permanent nach gut ausgebildeten Nachwuchskräften und sind ein attraktiver Arbeitgeber. Eine tragende Stütze für unseren unternehmerischen Erfolg sind aber auch unsere langjährigen Mitarbeiter, die teilweise seit über 20 Jahren in unserem Unternehmen beschäftigt sind.

Welche Möglichkeiten bieten Sie Mitarbeitern innerhalb Ihres Unternehmens?

Gechev: Unser Ziel ist es, Talente zu sichten und zu fördern. Dazu gehört sowohl die Nachwuchsförderung als auch die Weiterbildung. Wir haben viele Beispiele von jungen Mitarbeitern, die ihre Karriere bei uns begonnen, zunächst ein Team unterstützt haben und später zu Experten ausgebildet wurden. Rhenus braucht Persönlichkeiten mit Fachwissen, aber auch mit Loyalität zum Unternehmen.

Flughafen Sofia

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