Reportage 01/17

Abenteuer Offshore

Mit dem Hubschrauber zur Arbeit

Was für viele Menschen ein Traum ist, gehört für Svenja Hoferichter zum Alltag: Helikopter fliegen. Denn wo andere Leute den Bus nehmen können, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, muss die 29-Jährige in einen Hubschrauber steigen. Schließlich befindet sich ihr Arbeitsplatz auf einer riesigen Offshore-Konverterplattform gut 30 Kilometer vor Helgoland.

Svenja HoferichterStandort:30 Kilometer vor Helgoland
Svenja_Hoferichter

Alter:

29
Wohnort:Wilhelmshafen

„Die HelWin-Plattform sieht aus wie ein großer gelber Postkasten mitten in der Nordsee“, beschreibt Hoferichter ihren Arbeitsplatz, den sie alle 14 Tage ansteuert. Dort bleibt sie dann für zwei Wochen, dort ist ihr Lebensmittelpunkt. Auf der stählernen Plattform befinden sich ihr Schreibtisch und ihr Bett, dort sind ihre Kollegen, dort verbringt sie mehr Zeit als zu Hause in Wilhelmshaven. Und dorthin gelangt sie eben am schnellsten mit einem Hubschrauber. Inzwischen ist so ein Flug, so sagt sie, fast schon zur Routine geworden. „Das ist mittlerweile wie Busfahren.“

Das Überleben auf See üben
Der „Bus“, der die Project Managerin der Rhenus Offshore Wind zur Arbeit bringt, ist eine AW139. Das ist ein Mehrzweck-Hubschrauber der Firma AgustaWestland mit 14 Sitzen und einer markanten Langnase. Bevor Hoferichter aber zum ersten Mal in einen solchen Helikopter steigen konnte, musste sie ein mehrtägiges Training absolvieren. Denn ganz so simpel wie Busfahren ist ein Flug über See nicht. „In Bremerhaven haben wir dafür ein mehrtägiges Basic-Offshore-Safety-Training absolviert. Dabei ging es nicht nur um den Umgang mit einer Rettungsweste, sondern um den richtigen Gebrauch von Schutzanzügen und Rettungsinseln oder um eine mögliche Brandbekämpfung. Auch mussten wir an Netzen hochklettern, so als wenn man nach einem Unfall an Bord eines Schiffes kommen muss“, erzählt die junge Rhenus-Mitarbeiterin.

Plattformkarte

Nur eines hat Hoferichter beim Training keinen Spaß gemacht: „Das war die HUETÜbung, also das Helicopter Underwater Escape Training. Hier mussten wir lernen, aus dem Heli zu klettern. Da bist du unter Wasser in einer Kabine angeschnallt, die sich noch dazu dreht. Jetzt wird geübt, in einer festgelegten Reihenfolge sicher die Kabine zu verlassen.“

Ein Leben auf See
Etwa eine halbe Stunde dauert ein Hubschrauber-Flug zur Plattform. Dann ist Alltag auf See angesagt. „Genau das ist, was mich schon von klein auf begeistert hat“, verrät Hoferichter. An der Küste aufgewachsen, hatte sie das Meer immer im Blick. Folgerichtig widmete sie schon ihre Bachelor-Arbeit an der Jade Hochschule dem spannenden Thema Offshore Wind. Spannend war nach ihrem Bekunden dann auch das Praktikum in einer Hochseeschlepperreederei oder die Arbeit in einer Agentur, die Seeschiffe betreut. Das Wort spannend taucht immer wieder auf, wenn Hoferichter über ihren Werdegang erzählt. Der hat immer etwas mit See und Sturm zu tun.

„Vor gut zwei Jahren wurden Leute für den Bereich Offshore gesucht. Da meldete ich mich und wurde genommen. Seitdem arbeite ich auf einer sogenannten Konverterplattform, wo ich für die gesamte Materialanlieferung zuständig bin. Denn alles, was per Schiff oder Helikopter auf die Plattform kommt, muss registriert und an seinen endgültigen Bestimmungsort gebracht werden. Zumindest dispositiv geht alles durch unsere Hände“, erzählt Hoferichter.

Während der Anfangsphase waren das schon mal bis zu 15 Container pro Schiff, jetzt sind es deutlich weniger. Zudem mussten komplette Lagerkonzepte entwickelt und aufgebaut werden. Für diese Aufgaben wechselt Hoferichter alle zwei Wochen den Arbeitsplatz mit einer Kollegin. „Wir sind auf den Plattformen schon als die ‚Rhenus-Mädels‘ bekannt.“

Auch wenn eine Konverterplattform fest im Meeresboden verankert ist, einfach ist ein Leben auf See nicht. „Beim Einstellungsgespräch sagten sie mir: Da draußen ist gar nichts – nicht einmal ein Baum. Nur Wasser. Und ob ich damit umgehen könnte.“ Was später noch hinzukam, war die Tatsache, dass Offshore-Tätigkeiten in der Regel Jobs für Männer sind. „Als Frau hast du da sicherlich einen Bonus. Aber du musst auch deinen Mann stehen“, sagt Hoferichter. Und fügt lächelnd hinzu „Teilweise war ich die einzige Frau unter bis zu 120 Männern. Da kommen schon mal ein paar lockere Sprüche rüber. Aber ich habe kein Problem damit, auch mal übers Deck zu brüllen. Dann klappt das ganz gut.“

Plattform

„Halbtags“ einmal anders
Der Alltag auf einer Offshore-Plattform ist genau das: Alltag. Um sieben Uhr beginnt der Dienst, der jeden Tag zwölf Stunden dauert. Egal ob es Wochentag oder Wochenende oder Feiertag ist. „Viele, die davon hören, wo und wie ich arbeite, denken nur: Oh schön! 14 Tage Arbeit, 14 Tage frei. Aber 14 Tage Arbeit im Offshore- Bereich heißen eben auch: 14 Tage durcharbeiten. Und das von morgens bis abends. Da verpasst du Geburtstagsfeiern oder Familienfeste. Und da kannst du abends nicht einfach das kochen, was du möchtest. Aber dennoch: Die Plattform ist mein zweites Zuhause geworden.“

OffshoreNachtKleidungnull

Kann ein achtstöckiger Stahlbehälter auf Stelzen wirklich ein Zuhause werden? „Ja“, versichert die junge Frau. Denn nicht nur die tägliche Arbeit sei abwechslungsreich, einfach weil keine Routine aufkommen kann. Auch die Kollegen lerne man dort auf eine Art und Weise kennen, wie man sonst nur sehr gute Freunde kennenlernen kann. „Hier gibt es ja keinen Feierabend, hier erfährst du irgendwann alles von jedem“, sagt Hoferichter. Die Gemeinschaft prägt und das Team zählt. Nicht zu vergessen: die See. „Die ist immer anders. Jeden Tag, bei jedem Wetter. Es ist schon erstaunlich, wie viele Farben die Nordsee hat“, schwärmt die junge Frau – und ergänzt nach einer kurzen Pause: „Ich bin gern hier draußen.“

Ein Rhenus-Kind
Genau diese Vielfalt gefällt Hoferichter bei der Rhenus Offshore Logistics. Denn natürlich bedeutet Offshore-Arbeit eine anstrengende 14-tägige Rotation. Hinzu kommen Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen mit ihren verschiedenen kulturellen Wurzeln. Und hinzu kommt auch ein Büro ohne Fenster. Da muss man für ein wenig frische Luft immer eine Handvoll Treppen steigen. Auch der kurze Blick in die Lager ein paar Decks tiefer muss ebenfalls ohne Fahrstuhl bewältigt werden. Da kommen täglich ein paar Dutzend Treppen zusammen. „Da fällst du abends oft nur noch ins Bett.“

Und dennoch: Tauschen möchte Hoferichter nicht. „Irgendwas mit Schifffahrt“ wollte sie immer schon machen. 2007 begann sie ein Praktikum bei Rhenus und später die Ausbildung als Kauffrau für Spedition und Logistik-Dienstleistungen. Später studierte sie Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft und arbeitete nebenbei in einer Klarierungsagentur von Rhenus. Als Siemens schließlich einen Materialkoordinator für eine seiner Plattformen brauchte, begann Hoferichters Arbeit im Offshore- Bereich. Denn auch diese Dienstleistung bietet Rhenus an. „Alle paar Jahre habe ich quasi meinen Job gewechselt und bin dem Unternehmen doch immer treu geblieben. Und das mittlerweile seit fast zehn Jahren. So gesehen bin ich tatsächlich ein Rhenus-Kind.“

Hubschrauber 

„Alle paar Jahre habe ich quasi meinen Job gewechselt und bin dem Unternehmen doch immer treu geblieben.
Und das mittlerweile seit fast zehn Jahren. So gesehen bin ich tatsächlich ein Rhenus-Kind.“

 

 

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