Titelthema 02/17

individuell, schnell, autonom

Mobilität von morgen

Tokio, 2030, 7:00 Uhr morgens:  

Ken Yamada setzt sich auf den Rücksitz des gerade gebuchten autonomen Taxis und beantwortet Mails. Plötzlich zieht das Elektromobil sanft auf die rechte Spur, denn es weiß, dass es sich an der nächsten Kreuzung staut.  An einer Bahnstation steigt Yamada in eine fahrerlose U-Bahn um und legt die letzten Meter zum Büro mit einem angemieteten E-Bike zurück.  Dort angekommen, hat er schon viele Aufgaben erledigt.

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So oder so ähnlich stellen sich Zukunftsforscher die smarte, digital vernetzte Stadt vor. Intelligente Leitsysteme regulieren automatisch den Verkehrsfluss, autonome Fahrzeuge navigieren uns durch die Metropolen. Die neue Mobilität spart Zeit, Ressourcen, Kosten und sorgt obendrein für mehr Sicherheit. 

Ob Google, Amazon, Baidu, Uber oder DHL: Längst haben Unternehmen erkannt, welche Potenziale die digitale Vernetzung und Mobilität versprechen. Mit ihren Innovationen spornen sie auch die klassischen Fahrzeughersteller an, weiter zu investieren. Denn kaum eine andere technische Entwicklung hat zu solch tiefgreifenden Veränderungen geführt wie die Digitalisierung. Nach dem Wandel zur Industrie 4.0 ist die Mobilität 4.0, also die Automatisierung von Verkehr und Logistik durch IT, deren Fortsetzung.

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Welchen Stellenwert die digitale Mobilität innerhalb der Rhenus-Gruppe hat, beweisen viele Projekte. Der Bereich Public Transport beschäftigt sich mit der Frage, in welche Richtung sich der Öffentliche Personennahverkehr entwickeln wird. „Multimodale Verkehrsströme werden sich verstärken und es kommt zu individualisierter Beförderung“, ist sich Henrik Behrens, Geschäftsführer der Rhenus Veniro, sicher. Sprich: Mit dem autonomen Taxi gehe es zukünftig zum Bahnhof, mit dem Zug in die Stadt und mit dem Mietfahrrad auf der letzten Meile zum Ziel.  Erste autonom fahrende Rhenus-Busse Bereits heute arbeitet Rhenus an Projekten mit autonomen Shuttle-Systemen in Städten, an Flughäfen und Tiefseehäfen. Wenn es nach Henrik Behrens geht, rollen schon bald die ersten autonomen Rhenus-Busse durch Deutschland. Seit einigen Monaten kooperiert der Geschäftsbereich eng mit Herstellern der neuen Technologie. „Die Fahrzeuge sind satelliten- und videoüberwacht, man kann aber jederzeit eingreifen“.

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Auf dem Weg zum autonomen Fahren …
Teilautomatisiert: Der Fahrer muss die automatischen Funktionen dauerhaft überwachen und falls nötig eingreifen. Hochautomatisiert: Das automatische System meldet dem Fahrer bei Bedarf, dass dieser die Steuerung übernehmen muss.  Vollautomatisiert: Selbstständiges, zielgerichtetes Fahren eines Fahrzeugs ohne Eingriff des Fahrers. Fahrerlos: Das System ist allen Gefahrensituationen gewachsen. Es wird kein Fahrer mehr benötigt.

Das Geschäftsfeld Automotive stellt sich ebenfalls auf wandeln- de Märkte ein: „Wir gehen beispielsweise auf Unternehmen zu, die Elektromobile herstellen. Schon heute können wir komplette Elektroautos montieren“, berichtet Ulrich Schorb, Geschäftsleitung Automotive der Rhenus. So übernimmt Rhenus im belgischen Genk die komplette Beschaffungslogistik von den Lieferanten, die Montage und Fertigung sowie die Endkontrollen des auslieferfertigen MT 10, eines Elektrokleintransporters der Firma Addax Motors. Das Elektromobil kommt für kurze Strecken auf der letzten Meile zum Einsatz, beliefert Baustellen oder fährt in Freizeitparks. 

Auch der Geschäftsbereich Rhenus Freight Logistics beschäftigt sich bereits seit Jahren mit Digitalisierung. „Wir verstehen uns als Informationslogistiker, der sinnvolle digitale Lösungen bereits anwendet“, verrät Petra Finke, CIO Rhenus Freight Logistics. Dazu zählen webbasierte Transportmanagement- und Lagerverwaltungssysteme, Apps zur digitalen Steuerung von Prozessen und zur besseren Kommunikation mit den Kunden sowie eine zentrale Datenmanagementplattform. „Diese liefert uns alle nötigen Informationen, um globale Transportketten zu planen, steuern und zu überwachen.“

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Vom teil- zum vollautonomen Fahren
Mit autonomen Flurfahrzeugen und Transportrobotern beschäftigt sich Rhenus bereits jetzt und bereitet entsprechende Projekte vor.  „Durch die digitale Vernetzung können wir solche Fahrzeuge mit Umschlagsinformationen versorgen. Sie bringen dann die Palette von der Eingangszone direkt zum Tor, wo der Lkw wartet“, erklärt Finke.

Nach Schätzungen der Weltkonferenz könnte es nur noch drei bis zehn Jahre dauern, bis führerlose Fahrzeuge auch in Städten ihren Dienst verrichten. In den USA ging bereits vor rund zwei Jahren der autonom fahrende Freightliner auf einem öffentlichen Highway an den Start. Ausgestattet mit Radar, Kameras, Assistenzsystemen und Abstandsreglern. 

„Über den Zwischenschritt des teilautonomen Fahrens wird es sicherlich auch autonomes Fahren von Lkw in Europa geben“, ist Sascha Hähnke überzeugt, Geschäftsleitung Road der Rhenus Port Logistics. Zunächst wird wohl weiterhin ein Fahrer am Steue sitzen, um im Notfall eingreifen zu können. 

Hähnke setzt in seinem Geschäftsfeld bereits heute PPC-Getriebe in Daimler-Fahrzeugen ein, die topografische Daten des Streckenverlaufs mit der aktuellen Position des Lkw kombinieren. Die Fahrzeuge sind überdies mit einem vorausschauenden Tempomaten ausgestattet. „Wenn ein Lkw alleine schalten kann und die Bordsystematik ein Hindernis erkennt und eigenständig bremst, warum soll ein Lkw dann nicht auch sukzessiv allein fahren können?“. Doch vorhermüssen rechtliche Hürden genommen werden: Zu wessen Wohl wird in unvermeidlichen Unfallsituationen entschieden? Wer haftet im Fall eines Unfalls? Dazu wird die Datensicherheit smarter Fahrzeuge gelöst werden müssen. 

Mehr Flexibilität für den Fahrer
Welche Vorteile bringt (teil)autonomes Fahren überhaupt?  „Wenn der Fahrer nicht eingreifen muss, kann er sich an- deren Tätigkeiten widmen, doch der Fahrermangel wird da- durch nicht behoben. Aber wenn der Fahrer sich nicht mehr permanent auf den Verkehr konzentrieren muss, sollten die   Lenkzeiten verlängert werden“, sagt Hähnke.  Mobilität 4.0 bedeutet für ihn aber noch mehr als autonomes Fahren: Einem Fahrzeug, welches ausreichende Kapazitäten hat, müsste automatisch die bestmögliche Fracht zugeordnet werden, um Leerfahrtenanteile zu vermeiden und übergreifend die optimale Auslastung zu erreichen. „An die bestehenden Zeitfenstersysteme unserer Kunden sollte zudem eine IT-Lösung gekoppelt werden, die eine automatische Umbuchung vornimmt, wenn der Lkw im Stau steht oder defekt ist.“ 

Am Basler Terminal der Rhenus-Tochter Contargo klappt das schon jetzt per App. Damit Lkw zu Spitzenzeiten nicht zu lange auf die Abfertigung warten müssen, hat der Containerspezialist die Anwendung STAR zur Online-Terminvergabe entwickelt. Dies soll bald auch für Bahnen und Schiffe nutzbar sein.  

 

visionen oder wirklichkeit


Von fliegenden Autos, unbemannten Schiffen und Päckchen, die aus der Luft fallen
Zahlreiche Unternehmen wetteifern um Innovationen zur Fortbewegung der Zukunft. Wir stellen Ihnen einige Ideen vor, die in wenigen Jahren Realität werden könnten – oder doch nur Wunschvorstellungen bleiben.  

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Innovationsprojekt fördert digitales Denken in den eigenen Reihen
Um Innovationen noch stärker zu fördern, hat Rhenus zu Jahresbeginn den unternehmensweiten Wettbewerb „Rhevo“ gestartet, der die Mitarbeiter motivieren soll, eigene Ideen zu entwickeln. Mehr als 260 Mitarbeiter aus aller Welt beteiligten sich, ausgewählte Projekte werden nun weiterentwickelt.


Warenlager über den Wolken
US 9.305.280 B1 lautet das Patent, das der Versandhandel Amazon im April vergangenen Jahres anmeldete. Es beschreibt ein fliegendes Luftschiff mit integriertem Warenlager. Aus diesem sollen bei Bedarf weitere kleinere Luftschiffe und Drohnen starten, um nach Bestelleingang Päckchen an die Kunden liefern zu können. Das Lager soll 14 Kilometer über der Lieferregion, beispielsweise einer Innenstadt oder einem Stadion, schweben.
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Fliegende Autos
Schon wieder stehen Sie auf dem Weg zur Arbeit oder zum Urlaubsziel im Stau und wünschen sich, Sie wären wie im Flug am Ziel? Kein Problem mit dem fliegenden Auto des slowakischen Unternehmens AeroMobil. Der Prototyp wurde im Frühjahr vor- gestellt, erste Lieferungen sind für 2020 geplant. Im Flugmodus erreicht der Motor eine Leistung von rund 300 PS und kann bis zu 750 Kilometer weit fliegen. Dafür heißt es allerdings auch, tief in die Tasche zu greifen: Das fliegende Auto soll 1,2 bis 1,5 Millionen Euro kosten. 
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Ferngesteuerte Schiffe
Einsam auf den Weltmeeren unterwegs, ganz ohne Kapitän an Bord. Ende dieses Jahrzehnts könnten ferngesteuerte Schiffe Realität werden. Zumindest, wenn es nach dem britisch-finnischen Duo Rolls-Royce und VTT geht. Mittels Virtual-Reality-Umgebung sieht der Schiffsführer an seinem digitalen Arbeitsplatz alles, was er auch auf dem Meer sehen würde. Im Notfall kann er eingreifen.  Technische Hürden gibt es laut Experten nur noch wenige. Nun geht es darum, dass autonome Schiffe auch sicher, verlässlich und wirtschaftlich sind. 
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Ab durch die Röhre
So schnell unterwegs wie ein Flieger und noch dazu so billig wie ein Bus-Ticket: Das verspricht das Hochgeschwindigkeitstransportsystem Hyperloop. Wie genau das gehen soll? Mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 1.125 Kilometern pro Stunde werden mit Solarenergie angetriebene Transportkapseln durch eine Röhre geschossen. Darin befinden sich Passagiere oder Fracht. Laut Entwickler sollen in drei Jahren Güter und in vier Jahren Passagiere bewegt werden.
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