Nachgefragt 01/18

Von Autos bis Offshore

Cuxport startet den Betrieb des Liegeplatzes 4 in Cuxhaven

Er war ein echtes Wunschprojekt für Cuxhaven, jetzt ist er endlich da: Der Liegeplatz 4. Mit 290 Metern Kaimauer, 8,5 Hektar Umschlagsund Lagerfläche und ausgestattet mit vier Schwerlastblöcken ergänzt er perfekt die Kapazitäten des Cuxport-Terminals am Europakai. Gwendolyn Dünner sprach mit Holger Banik, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports, und Michael de Reese, Geschäftsführer bei Cuxport, über das Großprojekt.

KONTINUITÄT

Herr Banik, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Liegeplatz. Der Weg dorthin war ja ein langer …
Holger Banik: (lacht) Da haben Sie Recht. Der Liegeplatz 4 in Cuxhaven war ganz klar ein Großbauprojekt, auch wenn die reine Bauzeit nur rund 24 Monate dauerte. Der Aufwand für die Planung solcher Projekte hat sich in den letzten Jahren stark erhöht. Zudem haben vor allem neue Vorgaben der Europäischen Kommission dazu geführt, dass Niedersachsen Ports den Betrieb des Liegeplatzes ausschreiben musste. Letztendlich hat Cuxport den Zuschlag erhalten.

Ein Liegeplatz ist sicher nicht gerade billig. Wer hat welche Kosten übernommen?
Holger Banik: Als Hafengesellschaft hat Niedersachsen Ports die Investitionssumme in Höhe von 36 Millionen Euro sowie den Bau der kompletten Infrastruktur übernommen. Dieser wurde Ende 2017 fertiggestellt.
Michael de Reese: Für den Bau der Suprastruktur, also der Flächenbefestigung und Errichtung von Lichtmasten, investierte Cuxport zusätzlich insgesamt rund 8 Millionen Euro.

Welche Potenziale bietet der Liegeplatz 4 dem Standort Cuxhaven?
Michael de Reese: Das bestehende Terminal mit den Liegeplätzen 1-3 arbeitet bereits seit Längerem an der Kapazitätsgrenze. Der Liegeplatz 4 ist nun die konsequente Fortsetzung des Multi- Purpose-Ansatzes von Cuxport. Er bietet sowohl Chancen für den Bereich Projekt-Umschlag und Offshore Wind als auch für den Automobil-Sektor.
Holger Banik: Cuxhaven hat sich mittlerweile nicht nur zu einem besonders geeigneten Standort, sondern auch zum führenden Offshore-Basishafen an der deutschen Nordseeküste entwickelt. Hierfür wurden dringend neue Kapazitäten sowohl für den Umschlag von Windkraftkomponenten als auch für den Multipurpose- Umschlag benötigt. Der Liegeplatz 4 sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens Cuxhaven und rüstet ihn für zukünftige Anforderungen.

Was macht den Liegeplatz zu etwas Besonderem und wie ergänzt er die weiteren Flächen und Liegeplätze des Hafens?
Michael de Reese: Seine besondere Fähigkeit zur Abwicklung von schwerer Ladung erhält der Liegeplatz 4 durch seine schwerlastfähigen Lagerflächen. Die vier Schwerlastblöcke an der Kaimauer können mit bis zu 20 Tonnen pro Quadratmeter belastet werden. Zudem können durch das tiefe Fahrwasser auch große Schiffe mit einem Tiefgang bis 14,30 Metern dort anlegen, darunter Errichter Schiffe für die Offshore Windparks.
Holger Banik: Der Liegeplatz 4 ist ein weiterer wichtiger Baustein für den Erfolg des Seehafens Cuxhaven. Das Areal schließt nahtlos an die Liegeplätze 1-3 des Cuxport-Terminals an. Wir senden damit vom Standort Cuxhaven ein klares Signal: Unsere niedersächsischen Häfen sind leistungsstark und es lohnt sich, sich bei uns anzusiedeln oder seine Abwicklung über unsere Anlagen zu steuern.

Herr Banik, wie verlief der Bau?
Holger Banik: Dank der guten Vorplanung und dadurch, dass wir die großen Themen im Vorfeld abarbeiten konnten, gestaltete sich das eigentliche Bauprojekt reibungslos. Besonders freuen wir uns, dass wir nicht nur Zeit- und Kostenrahmen einhalten, sondern auch unfallfrei arbeiten konnten.

Wie geht es nach der Eröffnung des Liegeplatzes 4 weiter, Herr de Reese?
Michael de Reese: Ab Mitte 2018 wird am neuen Liegeplatz der erste Kunde erwartet. Bei dem Projekt handelt es sich um den Umschlag und die Lagerung von Fundamentteilen für Offshore Windkraftanlagen aus Spanien, die in der Nordsee ihren Einsatz finden werden. Hierbei kommt insbesondere die Schwerlastfähigkeit des Liegeplatzes sowie des gesamten Terminals zum Tragen. Auch weitere Projekte sind bereits in der Pipeline denn der Liegeplatz wurde lang erwartet und wird dringend gebraucht.

Die Planung für weitere Liegeplätze läuft bereits. Für welchen Zeitraum ist die Realisierung geplant?
Holger Banik: Zurzeit werden die Unterlagen für das Planverfahren bearbeitet. Nach der Genehmigung wird die Planung mehrere Jahre laufen, danach folgen Herausforderungen wie die Investitionen und auch die Ausschreibung für den Betrieb. Wie man sieht, ein neuer Liegeplatz kommt nicht so schnell. Deshalb ist es besonders wichtig, vorausschauend und bedarfsgerecht zu planen. Das Potenzial für die Liegeplätze 5-7 ist definitiv vorhanden.
Michael de Reese: Wir sehen mittelfristigen Kapazitätsbedarf, der durch steigende Umschlagsprognosen belegt wird. Da ist es gut, wenn die Planungen bei Bedarf schnell umgesetzt werden können.

Welche Erkenntnisse aus dem Projekt Liegeplatz 4 nehmen Sie für die Zukunft mit?
Holger Banik: Beim Bau des Liegeplatzes 4 mussten wir uns erstmalig mit den neuen europarechtlichen Vorschriften zu staatlichen Beihilfen befassen. Solche Erfahrungen fließen natürlich in unsere zukünftigen Projekte ein. Mit jedem abgeschlossenen Projekt steigt somit unsere Kompetenz.
Michael de Reese: Den Umgang mit der Ausschreibung laut Europarecht haben wir mittlerweile gemeistert, das nehmen wir also zum einen mit. Zum anderen zeigt die positive Resonanz unserer Kunden sowie der Öffentlichkeit, dass Cuxhaven als Standort und das Cuxport Terminal auch in Zukunft einen festen Platz im Markt haben.

Holger Banik, Diplom-Kaufmann
2007Bremer Hafenmanagement-Gesellschaft bremenports
2011Kaufmännischer Geschäftsführer bremenports
2014Sprecher der Geschäftsführung der Niedersachsen Ports (kaufmännisch-administrativer Bereich) und Geschäftsführer der JadeWeserPort Realisierungs GmbH & Co. KG
Michael de Reese, Maschinenbauingenieur
2001Rhenus Midgard
2005Wechsel an den Standort Cuxhaven
2011Aufstieg in die Geschäftsführung Cuxport

Der Hafen Cuxhaven

Der Hafen Cuxhaven
 

A- Das Cuxport-Terminal
Lage: Europakai
Liegeplätze: 1–4
Ausstattung: Gleisanschluss, überdachte  Umschlags- und Lagerhalle, 3 Rampeneinschnitte für Umschlag rollender Fracht
Flächen: insg. 33 Hektar inkl. 4 Schwerlastblöcken, Anschluss an Schwerlaststraße

B- Die Offshore-Basis Cuxhaven
Lage: südöstlich im Hafen
Liegeplätze: 8, 9.1–4
Ausstattung: 1 Rampenabschnitt für rollende Fracht, Portalkran
Flächen: insg. 26,8 Hektar inkl. 3 Schwerlastflächen, Anschluss an Schwerlaststraße

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