Reportage 02/17

Von Wilhelmshaven ans Nordkap

Tonnenschwere Brücke bei Rhenus gefertigt

Rhenus Midgard in Wilhelmshaven hat alles, was eine Brücke braucht: Mit 15.000 Quadratmetern reichlich Platz, Autobahnanbindung für die Anlieferung und einen Schwerlastkai, dem 700 Tonnen Gewicht nichts ausmachen. Ideale Voraussetzungen also für Endmontage und Verladung einer Netzwerkbogenbrücke, die künftig den norwegischen Bøkfjord überspannen soll.  

Es ist der 15. Mai 2017. Im Hafen von Kirkenes an der norwegisch-russischen Grenze trifft der Ponton „Wagenborg Barge 8“, der als Träger für den Brückenbau eingesetzt wird, für hiesige Verhältnisse bei gutem Wetter mit sieben Grad Celsius ein. An Bord befindet sich eine 120 Meter lange Netzwerkbogenbrücke, die knapp drei Wochen zuvor Wilhelmshaven verlassen und nun nach 3.000 Kilometern ihr nächstes Etappenziel in Norwegen erreicht hat.

Die thüringische Firma Schachtbau Nordhausen hat die Komponenten für die Brücke gefertigt, die von der norwegischen Bauverwaltung Statens vegvesen in Auftrag gegeben wurde. Für die Endmontage vor der Verladung wurden die Stahlträger zum Gelände der Rhenus Midgard Wilhelmshaven transportiert. „Aufgrund der oft strengen Witterungsverhältnisse im Norden Norwegens, der komplizierten Erreichbarkeit und der örtlich beschränkten Ressourcen entschieden wir uns, die Brücke in Deutschland zu montieren“, erklärt Matthias Roeder, Projektleiter Schachtbau Nordhausen. „Denn logistisch gesehen haben wir hier einfach die besseren Möglichkeiten.“   

„Der Nordhafen ist tideunabhängig und bietet ideale Voraussetzungen für den Auftrag. Das Gelände ist mit 15.000 Quadratmetern etwa so groß wie zwei Fußballfelder“, erläutert Björn Knust, Betriebsleiter der Rhenus Midgard Wilhelmshaven, die Vorzüge des Standorts. „Unser Standort ist über den Friesendamm direkt an die Autobahn A29 angebunden. So konnten die Transporte mit den Komponenten einfach, schnell und reibungslos zu uns gelangen.“

Brücke bei Rhenus Midgard montiert
Über sieben Monate lang herrschte auf dem Gelände der Rhenus Midgard emsiges Treiben rund um Stahlträger und Brückenelemente. Denn so lange haben die bis zu zehn Spezialisten aus Nordhausen benötigt, um das Kernstück zu montieren. Am Morgen des 19. April war es dann endlich so weit. Die fertig montierte Brücke wurde auf den Ponton „Wagenborg Barge 8“ verladen und für die Reise gesichert. Mit einem Tiefgang von fast 12 Metern und einer Länge von 320 Metern bot der Braunschweigkai dazu die besten Voraussetzungen.   

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„Der riesige Stahlbogen ragte in den blauen Himmel und strahlte glänzend in der Sonne“, erinnert sich Björn Knust. „Zwei Modulfahrzeuge mit eigenem Antrieb wurden bereits am Vortag unter der Brücke montiert. Dann setzte sich die 120 Meter lange, 13,5 Meter breite und mit den Stützgerüsten etwa 700 Tonnen schwere Brücke ganz langsam in Bewegung. Über Stahlrampen rollte sie schließlich an Deck des Pontons. Ein Schlepper hielt da- bei den Ponton in Position. Die Barge hat eine Länge von insgesamt 100 Metern, die Brücke hatte damit zehn Meter Überstand an jeder Seite. Bis zum Nachmittag war alles geschafft.“

Das Nordkap musste noch warten
Doch die Reise konnte nicht sofort beginnen. Die Überfahrt verzögerte sich aufgrund schlechter Wetterverhältnisse um acht Tage. Im Anhang des Schleppers „MTS Vanquish“ und in Begleitung zweier weiterer Schlepper passierte die „Wagenborg Barge 8“ am 27. April die Schleusenkammer mit dem Ziel Kirkenes, 3.000 Kilometer von Wilhelmshaven entfernt. Die Seefahrt verlief bis auf einige wetterbedingte Unterbrechungen reibungslos.

In Norwegen angekommen, wurde zuerst die Befestigung des Seetransports gelöst und die Brücke um ungefähr vier Meter angehoben. Die Arbeiten haben drei Tage gedauert. „Am 19. Mai sind wir bei Flut in den Fjord eingefahren. Dabei mussten auch einige Untiefen umschifft werden. Mit einer 700 Tonnen schweren Brücke an Bord war das kein leichtes Unterfangen“, schildert Matthias Roeder seine Eindrücke.

Schneefall und Präzisionsarbeit
„Nach einer Wartezeit nutzten wir das Einsetzen der nächsten Flut und positionierten uns direkt zwischen den zwei Brücken-pfeilern. Dort wurde der Ponton fest verankert und die Brücke in Stellung gedreht. Das schöne Wetter hielt leider nicht lange an. Es begann immer wieder zu schneien und der oft starke Wind hat unsere Arbeiten nicht gerade einfacher gemacht“, sagt Roeder. Bei Ebbe konnte die Brücke dann auf die Pfeiler abgelegt werden.

Aber es hat noch zwei weitere Tage gedauert, die Brücke genau auszurichten und zu befestigen. „Hier ist Präzisionsarbeit gefragt, alles muss auf den Millimeter genau stimmen.“  Neben Projektleiter Matthias Roeder war ein Team von fünf Mitarbeitern aus Nordhausen an den Arbeiten in Kirkenes beteiligt. Nach zwei weiteren Montageeinsätzen im Juni und Juli wurde die Brücke planmäßig im Herbst an Statens vegvesen übergeben.

Rhenus Midgard in Wilhelmshaven
Rhenus Midgard ist bereits seit 1974 an Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen ansässig und betreibt in Wilhelmshaven zwei Seehafenterminals sowie Container- und Stückgutlager. Neben dem Umschlag von Kohle am Bulk Terminal Wilhelmshaven sowie von Baustoffen, Düngemitteln, sonstigen Massengütern und Projektladungen am Mehrzweckterminal gehören alle logistischen Dienstleistungen rund um den Container zum umfangreichen Portfolio des Logistikers.

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Schachtbau-Gruppe
Das traditionsreiche Unternehmen aus dem thüringischen Nordhausen blickt auf eine lange Historie zurück. Gegründet 1898/1899 entwickelte sich das Unternehmen zu einer über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Unternehmensgruppe. Die Kernkompetenzen liegen in den Bereichen Stahl- und Maschinenbau sowie Bergbau und Anlagentechnik. Über 900 Fach- und Führungskräfte sind deutschlandweit für die Unternehmensgruppe tätig, die seit 1992 zum Bauer-Konzern gehört.

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