Interview 02/18

Holz ist vielschichtig

Rhenus Forest Logistics ist Partner der holzverarbeitenden Industrie

Täglich umgeben wir uns mit Holz, ob in Möbeln, Böden oder Häusern. Weniger präsent sind die zahlreichen Produkte, die aus Sägeresthölzern entstehen: Hackschnitzel, die zu Laminat oder Papier verarbeitet werden, Sägespäne, aus denen Holzpellets zur Energiegewinnung hergestellt werden, oder Altholz, aus dem Spanplatten produziert werden können. Rhenus Forest Logistics ist auf die Logistik und den Handel genau dieser Nebenprodukte der holzverarbeitenden Industrie spezialisiert. Astrid Unverricht sprach mit Geschäftsführer Heiner Höfkes.

Heiner HöfkesHerr Höfkes, beim Thema Hackschnitzel denkt manch einer erstmal ans nächste Mittagessen. Sie auch?
Hackschnitzel sind mein tägliches Brot. Allerdings denke ich dabei nicht an ein Gericht, sondern an eines der wichtigsten Nebenprodukte der holzverarbeitenden Industrie. Genau um solche Produkte dreht sich unsere Arbeit bei der Rhenus Forest Logistics.

Was genau machen Sie?
Wir bedienen Kunden aus der Papier-, Holzwerkstoff-, Energie- und Erdenherstellung mit Recycling- und Industrierestholz sowie Biomasse.

Und was wird daraus hergestellt?
Zum Beispiel Hackschnitzel für die Papier- und Zellstoffindustrie, Waldhackschnitzel zur Befeuerung von Kraftwerken oder Sägemehl für die Pelletindustrie.

Woher stammt Ihr Holz?
Wir beziehen Holz von verschiedenen Sägewerken und aus Wäldern. Eine nachhaltige Forstwirtschaft ist uns beim Einkauf sehr wichtig. Zudem transportieren wir auch große Mengen Altholz.

Seit wann spielt Holz für Rhenus überhaupt eine Rolle?
Schon sehr lange und in den verschiedensten logistischen Prozessen, wie beispielsweise beim Hafenumschlag und der Schifffahrt. Der Grundstein für die heutige Rhenus Forest Logistics wurde jedoch erst 2004 mit dem Kauf des Unternehmens Fehring Holzspäne gelegt. Das war der Einstieg in den Handel und die Logistik von Sägewerksnebenprodukten.

Seitdem hat sich einiges getan. Im Januar 2015 haben Sie die Brenner-Gruppe übernommen. Welche Vorteile brachte der Kauf?
Wir konnten uns damit für unsere Kunden geografisch noch breiter aufstellen. Zudem haben wir neue Märkte für den Transport von Holz sowie dessen Beschaffung und Absatz erschlossen. Darüber hinaus haben wir Absatzwege in den Energie- und Dämmstoffsektor hinzugewinnen können.

Vor rund einem Jahr hat Rhenus ihre Holz-Aktivitäten neu organisiert und unter dem Dach der Rhenus Forest Logistics gebündelt. Warum?
Durch die Neuorganisation haben wir einen einheitlichen Marktauftritt geschaffen. Einerseits wollen wir hierdurch noch besser auf die Wünsche unserer Kunden eingehen, andererseits durch den Erhalt der Standorte die regionale Nähe zu unseren Kunden beibehalten.

Braucht es besonderes Equipment, um Holz zu transportieren?
Bei unseren Fahrzeugen handelt es sich hauptsächlich um Lkw mit Walkingfloor-Aufliegern. Diese Fahrzeuge sind in der Lage, mittels eines beweglichen Bodens Schüttguter wie zum Beispiel Hackschnitzel und Sägespäne entladen zu können. Zudem setzen wir auch Container-Fahrzeuge und Kurzholzzüge mit Kranen etwa zur Beladung von Rundhölzern ein. Da wir unseren Kunden eine kontinuierliche Abnahme und Anlieferung anbieten, besitzen wir auch eigene Lagerflächen zur Zwischenlagerung. Zum Zerkleinern und Sieben der Hölzer arbeiten wir mit Partnern zusammen.

Spüren Sie konjunkturelle und saisonale Schwankungen?
Allerdings. Der Holzeinschnitt findet in Zeiten guter Witterung statt, denn bei nassem Wetter ist der Wald schlechter zu befahren und Holz lässt sich bei kalten Temperaturen schlechter schneiden. Der Restholzanfall ist im Winter geringer, allerdings benötigen Biomassekraftwerke in der kalten Jahreszeit mehr Material. In unserem Geschäftsfeld gibt es kaum langfristige Preisbindungen. Mit unserer Fahrzeugflotte sind wir aber in der Lage, in schwierigen Zeiten andere Schüttgüter transportieren zu können.

Wie sehen Sie Rhenus Forest Logistics im Wettbewerb aufgestellt?
Wir können in vielerlei Hinsicht punkten. Unsere Mitarbeiter haben eine sehr gute Markt- und Produktkompetenz. Das ist wichtig, denn jeder Produktionsprozess benötigt entsprechende Qualitäten. Darüber hinaus verfügen wir über eine eigene große Lkw-Flotte. Hinzu kommen unsere flexible Infrastruktur und ein umfassendes Netzwerk.

Ihre Hauptaktivitäten befinden sich in Deutschland. In welchen anderen Ländern ist Rhenus Forest Logistics tätig?
Mit der Gesellschaft Rhenus Forest International sind wir in Luxemburg und mit der Rhenus Forest Swiss in der Schweiz aktiv. Sehr häufig transportieren und handeln wir Waren grenzüberschreitend. Zu unserem Einzugsgebiet gehören auch die Niederlande, Belgien und Frankreich.

Welche Märkte wollen Sie künftig noch erschließen?
Geografisch könnten wir uns eine weitere Entwicklung sowohl in östlichen als auch westlichen Regionen vorstellen. Klar ist: In Zeiten des Klimawandels gewinnt Holz als nachwachsender Rohstoff zunehmend an Bedeutung. Schon heute bieten wir Biomassekraftwerken die gesamte Versorgungslogistik mit dem Rohstoff Holz an.

Hackschnitzel

Hackschnitzel ist nicht gleich Hackschnitzel
Unter Hackschnitzeln versteht man zerkleinertes, geschnittenes Holz. Der größte Anteil der von Rhenus Forest Logistics transportierten Hackschnitzel fällt als Nebenprodukt in der Sägeindustrie an.

TMP-HACKSCHNITZEL erfüllen die höchsten Qualitätsstandards und werden aus Fichtenund Tannenholz hergestellt. Verwendung finden sie in der Papier- und Zellstoffindustrie.

MDF-HACKSCHNITZEL entstehen aus Laub- oder Nadelhölzern. Sie werden zu Holzfaserplatten verarbeitet, indem sie zerfasert, getrocknet, geleimt und dann gepresst werden.

RECYCLING-HACKSCHNITZEL werden aus Altholz hergestellt. Das Recyclingholz wird von der Spanplattenindustrie sowie in Kraftwerken eingesetzt.

WALDHACKSCHNITZEL haben ihren Ursprung in Baumkronen oder Industrieholz. Mehrheitlich werden sie als Brennstoff in Biomassekraftwerken verwendet.

Rhenus Forest Logistics
Am 1. Oktober 2017 hat Rhenus ihre Holzaktivitäten in der Rhenus Forest Logistics gebündelt. Das Unternehmen ist auf den Transport und Handel von Sägerestholz, Altholz sowie Biomasse spezialisiert und verfügt über eine moderne Lkw-Flotte. Rhenus Forest Logistics ist unter anderem nach PEFC und FSC zertifiziert – Gütesiegeln, die wirtschaftlich, sozial und nachhaltig erzeugte Produkte des Waldes kennzeichnen. Die Rhenus-Tochter ist ein Entsorgungsfachbetrieb und besitzt ein AEO-Zertifikat für Verzollungen.

Rhenus Forest Logistics

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