Reportage 02/18

Unterwegs in göttlicher Mission

Rhenus transportiert Europas größte Krishna-Statue von Hamburg nach Hamm

Ein sehr ungewöhnliches Projekt brachte die Rhenus Air & Ocean aus Hamburg zu einem erfolgreichen Abschluss: Dank des unermüdlichen Einsatzes aller Projektbeteiligten erreichte die vier Meter hohe Krishna-Statue nach langer Reise aus Südindien unbeschadet und fristgerecht ihr Ziel auf dem Gelände des Hindutempels in Hamm.

Rauchschwaden wabern unter der Decke des bunten Pavillons hervor, der Geruch von verbranntem Kampfer liegt in der Luft. Monoton intonieren zwei traditionell gekleidete indische Priester ein Mantra, während sie an einer provisorisch aus Ziegelsteinen gemauerten Feuerstelle Opfergaben darbringen. Um den Pavillon haben sich rund 100 Gläubige versammelt, gekleidet in traditionelle indische Gewänder und farbenprächtige, festliche Saris fallen sie in die Gebete mit ein. Zwischen den Opfergaben zieht die versammelte Gemeinde immer wieder über einen kurzen, mit Sand aufgeschütteten Weg hin zu einem Sockel, auf dem eine prunkvoll mit Blumen und bunten Tüchern geschmückte und von einem Baldachin gekrönte, vier Meter hohe, schwarze Basalt-Statue des Gottes Krishna thront.

Verschiffen der Statue

Auch wenn es die Szene vielleicht vermuten ließe – wir befinden uns nicht etwa auf dem Subkontinent Indien, sondern in Deutschland, wo in der 180.000 Einwohner zählenden Stadt Hamm mit dem Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel Europas zweitgrößter hinduistischer Tempel zu finden ist. Auf einem Freigelände vor dem Tempel hat die Krishna-Statue nun, nach ihrer über 9.000 Kilometer langen Reise aus dem südindischen Mahabalipuram, ihren Bestimmungsort erreicht und kann dort, vor dem geplanten hinduistischen Kulturzentrum, künftig von den Gläubigen verehrt werden. Die Statue ist die Schenkung eines indischen Geschäftsmannes an die hinduistische Gemeinde. Dass die Inkarnation des allgegenwärtigen Gottes Vishnu die lange Reise nach Hamm unbeschadet überstanden hat, ist vor allem dem Team der Rhenus Air & Ocean Hamburg mit Projektleiterin Vicky Lal zu verdanken. Sie hatten alles daran gesetzt, dass der Transport reibungslos ablaufen konnte. Dabei gab es manch schwierige Herausforderungen zu meistern: „Der Verschiffungsspediteur, der die sehr zerbrechliche Statue von Indien nach Hamburg gebracht hat, hatte den Auftrag zum Weitertransport abgelehnt – der war ihm zu heikel“ so Vicky Lal, die selbst indische Wurzeln hat und bei der Zeremonie als Ehrengast geladen war. Schnell wurde der Auftrag für sie zum Herzensprojekt: „Ich selbst bin Hindu und glaube an Karma. Es sollte wohl so sein, dass diese Anfrage bei mir gelandet ist – deshalb habe ich alles daran gesetzt, Krishna nach Hamm zu bringen.“

Bild von einer Zeremonie

Auf verschlungenen Pfaden kam die Anfrage schließlich bei Rhenus an: Rolf-Dieter Terfort, seit 21 Jahren ehrenamtlicher Helfer in der hinduistischen Gemeinde, wusste nach der Absage des Verschiffungsspediteurs nicht weiter. Glücklicherweise ist sein Sohn Sven in der Corporate IT von Rhenus beschäftigt und leitete die Anfrage an die auf Projektlogistik spezialisierte Einheit aus Hamburg weiter. Hier musste man sich zunächst vom Umfang des Auftrags ein Bild machen: „Als die Statue im Sammelgutcontainer aus Indien im Hamburger Hafen eintraf, konnte niemand sagen, wie groß und schwer sie eigentlich ist. Der Verschiffungsspediteur hatte bereits beim Anblick der notdürftig aus dünnen Holzlatten zusammengebauten Umverpackung gesagt, dass er den Weitertransport unmöglich verantworten könne“, erinnert sich Lal.

Wie sich herausstellte, ist das Bildnis mit vier Metern Höhe und neun Tonnen Gewicht die nunmehr größte Krishna-Statue auf dem europäischen Kontinent und damit mit „normalem“ Equipment auch für einen Logistiker nicht mehr handhabbar.

Bild von der Statueneröffnung

Aus diesem Grund erfolgte die Entladung an einem Terminal für Special Handling in Hamburg Altenwerder. Beim weiteren Transport unterstützten die Rhenus Road Freight und das Import Team, das sämtliche Zollpapiere für die Überführung bearbeitete. „Wir haben fest mit einer Zollbeschau gerechnet – gerade Statuen werden normalerweise besonders aufmerksam geprüft, da sie oftmals verwendet werden, um Schmuggelware darin zu verstecken. Wir waren also entsprechend gut vorbereitet, um bei einer Prüfung möglichst wenig Zeit zu verlieren schließlich handelte es sich um eine Just-in-Time-Lieferung und die weiteren Schritte hingen von einem engen Zeitplan ab“, erklärt Vicky Lal. Doch auch das mag wieder Karma sein die erwartete Zollbeschau blieb aus und die Statue traf per Dedicated Truck pünktlich in Hamm ein. Hier wartete bereits ein eigens gemieteter Kran, um den Lkw zu entladen. „Dass wir hier vor Ort einen Kran benötigen würden, um Krishna an seine finale Position zu bringen, haben wir von Frau Lal erfahren“, so Rolf-Dieter Terfort. „Sie hat ohnehin jeden unserer Schritte mit ganz präzisen Anleitungen begleitet und uns genau vorgegeben, was wir zu tun haben.

„Als würde Krishna vor Freude über seine Ankunft weinen.”

(Tempelpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal)

Tempelpriester

Das hat uns ein gutes Gefühl gegeben.“ So war die Entladung zwar eine echte Herausforderung, wurde aber mit Bravour gemeistert: Wegen der nicht besonders stabilen Umverpackung der Staute wurde im Vorfeld sichergestellt, dass der Kranführer seine Ansatzpunkte genau kannte. Denn schon eine winzige Erschütterung hätte bei dem empfindlichen Basalt zu schweren Schäden führen können. Nach etwas mehr als zwei Stunden war der kunstvoll bearbeitete Stein schließlich sicher abgesetzt worden.

Der Tag, an dem Krishna in Hamm ankam, war ein sehr kalter im Februar. Als die Statue aus der Transportkiste ausgepackt wurde, hatte sich auf ihrem Gesicht etwas Tauwasser gesammelt, das fast wie Tränen über die schwarzen Wangen rann: „Als würde Krishna vor Freude über seine Ankunft weinen“, sinniert Tempelpriester Siva Sri Arumugam Paskarakurukkal. „Möge er seinen Platz hier einnehmen und allen Menschen Ruhe und Frieden in unruhiger, friedloser Zeit bringen.“

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