Trends und Märkte 01/19

Wüstenkonvoi durch Tunesien

Rhenus Project Logistics realisiert Großprojekt mit sandigen Hindernissen

Schwertransporte per Lkw in der Wüste?
Schwer vorstellbar, doch für die Experten von Rhenus Project Logistics kein Problem. Das Projektteam in Duisburg setzte von Juni 2016 bis Ende 2018 ein Transport-Projekt über zehn Länder und drei Kontinente um – mit einem Endspurt durch die tunesische Wüste. Für den Kunden GIE Streicher Bouchamaoui transportierte Rhenus Project Logistics insgesamt rund 450 Lkw-Ladungen in 80 Konvois für den Bau einer Aufbereitungsanlage für Erdgas im Öl- und Gasfeld Nawara, gelegen im Ghademes-Becken im äußersten Süden Tunesiens.

Schwertransporte per Lkw in der Wüste

„Die Herausforderung war zunächst, die einzelnen Transporte aus den verschiedenen Fertigungswerken in den Herkunftsländern zu organisieren“, erzählt Projektmanager Marcus Janowsky. Hierbei wurde das Duisburger Team des Schwergutspezialisten durch das internationale Netzwerk der Rhenus-Gruppe unterstützt. Mit eigenen Niederlassungen und Mitarbeitern in vielen der Länder konnte Rhenus Project Logistics nahezu alle Dienstleistungen zur Planung und Durchführung des Projektes selbst anbieten. Dazu gehörten die Vortransporte, die anschließenden Exportverzollungen und der Warenumschlag im Hafen, die in den Ursprungsländern Deutschland, Spanien, Italien, den Niederlanden, Großbritannien, Saudi Arabien, China, Korea, Portugal und Schweden ausgeführt wurden.

Ein weltumspannendes Projekt
Insgesamt wurden über 50 große Anlagenteile, jeweils bis zu 16 Meter lang, 5,5 Meter breit, 6 Meter hoch und bis zu 60 Tonnen schwer, sowie über 100 Container auf sieben Schwergutschiffen nach Tunesien geliefert. Ganze 35.000 Frachttonnen wurden insgesamt aus Norrköping, Blyth, Hamburg, Antwerpen, Vigo, Leixoes, Genua und Crotone verschifft. Dazu kamen etwa 150 Lkw-Komplettladungen und zahlreiche Sammelladungen aus ganz Europa sowie rund 70 Container per Seeschiff aus Saudi-Arabien, Südkorea und China. Für besonders zeitkritische Ladung wurden zusätzlich sieben 40-Fuß-Container aus Shanghai per Bahn nach Europa transportiert, wodurch die gesamte Transitzeit um mehrere Wochen reduziert werden konnte. Die Schwergutschiffe liefen den Hafen von Gabès an, während die weiteren Ladungen über Tunis eintrafen. In Tunesien wurden die Güter von Rhenus und ihren Partnern entgegengenommen und ausgeliefert. Der Logistikdienstleister betreibt seit 2015 ein eigenes Büro in Tunis und arbeitet bei Transporten mit lokalen Partnern zusammen. Im südöstlich gelegenen Gabès wurden die Schwerlaststücke in zwei eigens dafür angemieteten Außenlagern zwischengelagert und dann nach Bedarf zur Baustelle geliefert.

Ein steiniger Weg
Die größte Herausforderung stellte sich erst nach der Ankunft im Hafen von Tunis sowie in Gabès, berichtet Marcus Janowsky. Die Planung und Auswahl geeigneter Strecken für sperrige Schwerlasttransporte per Lkw ist immer Präzisionsarbeit. „Aber die Bedingungen eines Wüstengebiets fordern noch einmal eine Extraportion Flexibilität“, sagt der 39-Jährige, der seit 6 Jahren bei Rhenus Project Logistics Projekte dieser Art umsetzt. Auf den knapp 400 Kilometern von Gabès zum Nawara-Gasfeld, wo die Aufbereitungsanlage installiert wird, sind asphaltierte Straßen eine Seltenheit und die Schotterpisten in oft schlechtem Zustand. Sandstürme sowie Überschwemmungen machen die Pisten oft unpassierbar. „Manchmal waren Wege über Nacht plötzlich nicht mehr befahrbar und wir mussten schnellstmöglich umdenken, um die Ware trotzdem pünktlich an ihrem Empfangsort abzuliefern.“

Die richtige Planung macht‘s
Hier kam die spezielle Expertise der Schwerlastprofis zum Einsatz: Neben der präzisen und flexiblen Planung der Routen führte Rhenus Project Logistics auch Erschütterungstests durch. Mit diesen konnten sie genau die durch den Transport entstehenden Vibrationen und ihre Auswirkungen auf die Ladung berechnen – insbesondere die tonnenschweren, sperrigen und meist extrem empfindlichen Anlagenteile. Anschließend wurden die Auswahl der Trailer und die Sicherung der Ladung für den Transport entsprechend angepasst.

Ein bedeutendes Projekt
Mit einer Laufzeit von etwa zwei Jahren von der Planung bis zur Durchführung war das Projekt ein voller Erfolg für Rhenus Project Logistics, wie Marcus Janowsky zusammenfasst: „Die Transporte verliefen reibungslos und ohne Zwischenfälle – das haben wir vor allem dem guten Zusammenspiel der Teams in Duisburg und Tunesien zu verdanken, aber natürlich auch den Mitarbeitern an allen beteiligten Rhenus-Standorten.“ Während die Schwertransporte von Juni 2017 bis Mai 2018 den Löwenanteil des Projekts ausgemacht haben, wurden noch bis Ende 2018 weitere kleinere Transporte nach Tunesien durchgeführt. 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen und entscheidend zur tunesischen Selbstversorgung mit Gas beitragen. 200 Arbeitsplätze entstehen hierdurch vor Ort.

Bild von einer Wüstenlandschaft

Rhenus Project Logistics spezialisiert sich innerhalb der Rhenus-Gruppe auf die Planung und Durchführung von individuellen Projekt- und Schwerguttransporten auf dem Land- und Wasserweg. Als ehemalige KOG
Worldwide hat sich das Unternehmen seit mehr als 30 Jahren einen Namen in der Branche gemacht. Heute verfügt der Projektlogistikspezialist über 24 Gesellschaften in 20 Ländern. Zuletzt sind neue Standorte in Chicago, Bremen und Taschkent hinzugekommen.

Bild von dem Hafen

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