Metropole 02/19

Stettin reloaded

Visionen an der Oder

Stettin hat gelernt, sich immer wieder neu zu erfinden. Die Hafenstadt in Westpommern will bis 2050 ihre jüngsten Visionen von Umweltfreundlichkeit und Modernität umsetzen. Derzeit zieht die Metropolregion vor allem Online-Versandhändler an. Den steigenden Bedarf an Lagerzentren für die E-Commerce-Branche hat Rhenus schon vor vielen Jahren erkannt und 2012 ein modernes Lager in Goleniów eröffnet.

Wer von Berlin über die Autobahn 11 nach Stettin fährt, sieht das Logistikzentrum von Amazon schon von Weitem. Vier Kilometer hinter der deutschen Grenze eröffnete der Internetversandhändler im Herbst 2017 ein Fulfillment-Lager. Nur 13 Fahrminuten entfernt liegt das fast zeitgleich errichtete Logistiklager von Zalando. Im Norden der polnischen Metropole betreibt Rhenus hingegen schon seit 2012 ein großes E-Commerce-Lager. Denn das Potenzial der Branche in der Region war dem Logistikspezialisten schon vor mehreren Jahren klar.

„Es war nur eine Frage der Zeit, wann weitere Unternehmen dem Trend folgen“, berichtet Marek Kunert, der seit 2016 Niederlassungsleiter des Rhenus-Standortes Goleniów im Großraum Stettin ist. „Der Flughafen Goleniów, der Stettiner Hafen, das Straßennetz und die Nähe zur deutschen, dänischen und schwedischen Grenze – das alles sind herausragende Standortfaktoren“, weiß er.

Logistikzentrum

E-Commerce-Logistik für Online-Shop
Das drittgrößte Distributionszentrum der Rhenus in Polen befindet sich im Industriepark von Goleniów. „Wir sind für den Wareneingang, das Warehousing sowie die Kommissionierung und Verpackung der Kundensendungen zuständig“, erzählt Kunert. Unser Kunde, ein führender familienorientierter E-Commerce- Anbieter in Europa, ist der bevorzugte Einkaufspartner von 1,2 Millionen Familien. Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs das Unternehmen um 20 Prozent.

Mehrmals hat Rhenus ihre Kapazitäten in Goleniów ausgebaut, mittlerweile auf fast 37.000 Quadratmeter. Das Lager umfasst Stellplätze für Kleidung, Schuhe und Accessoires, ein automatisches Fördersystem sowie eine Verpackungszone. E-Commerce- Logistik für die Fashion-Industrie ist äußerst spezifisch, denn Saisonalität und Retouren erfordern schnelle Verfügbarkeit und hohe Flexibilität. Eine Herausforderung, die Kunert gefällt.

Mit dem Auto ist man von Goleniów aus schnell in Stettin. „Die Stadt hat viele Sehenswürdigkeiten, eine vielfältige Natur und großartige Architektur. Vor allem aber empfehle ich jedem Besucher, die außergewöhnliche Geschichte zu entdecken“, schwärmt der 39-Jährige.

E-Commerce-Logistik

Aufbruchstimmung
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Stettin Ein- und Ausfuhrhafen Berlins. Die ansässige Vulcan Werft produzierte die größten Schiffe der Welt. Wie es dazu kam, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch vier Prozent Polen in der Stadt lebten, erfährt man im Museum „Dialogzentrum Umbrüche“, das direkt neben der beeindruckenden neuen Philharmonie liegt.

Wer heute durch die Stadt mit 400.000 Einwohnern schlendert, spürt Aufbruchstimmung. „Stettin hat sich zwar später als andere große Städte in Polen entwickelt, dafür aber in den letzten Jahren umso erfolgreicher“, urteilt Kunert.

Die grüne Großstadt zeigt sich quirlig und lebendig. Flüsse, Kanäle und Seen machen ein Viertel der Stadtfläche aus. Bei den Tall Ships Races, die 2021 wieder in Stettin ausgerichtet werden, tummeln sich bis zu eine Million Besucher, um die schönsten Dreimaster der Welt zu bewundern. Im August lockt regelmäßig das Feuerwerksspektakel Pyromagic viele Touristen an die Oder.

Wer die Stadt begreifen will, betrachtet sie am besten aus der Vogelperspektive, erklimmt den Glockenturm des Stadtschlosses, fährt mit dem Aufzug die Jakobskathedrale empor oder genießt im Café 22 die atemberaubende Aussicht bei einem Stück Erdbeertorte.

Von oben kommen die breiten, sternförmig angelegten Boulevards des Pariser Viertels besonders zur Geltung. Anders als in der Altstadt sind im Pariser Viertel noch viele Gründerzeit- und Jungendstilbauten erhalten geblieben.

Stettin 2050
Ein echtes Stadtzentrum sucht man in Stettin vergeblich, wird dafür aber mit einem neu aufgebauten bunten Altstadtviertel mit Giebelhäusern und schmiedeeisernen Laternen entschädigt. Auch das im gotischen Stil wiederaufgebaute Stadtschloss, ehemalige Residenz der pommerschen Herzöge und heute Kulturlocation, lohnt den Besuch.

Im Sommer fährt sonntags die Straßenbahnlinie 0 sehenswerte Orte der Stadt an. Wer an der Wojska-Polskiego-Allee aussteigt, kann dem Pionier Kino einen Besuch abstatten. Das 1909 eröffnete Lichtspielhaus steht als ältestes Kino der Welt sogar im Guinness-Buch der Rekorde.

Eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt ist die Hakenterrasse, von der man einen wunderbaren Blick auf die Oder und die gegenüberliegenden Flussinseln genießt. Mit dem ökologischen Projekt „Stettin 2050 – Floating Garden“ sollen einige Inseln zu einem neuen Stadtteil ausgebaut werden. Schon heute hat Rhenus Port Logistics hier ihr Büro.

Stettin

Niederlassungen
Rhenus ist im Großraum Stettin/Goleniów mit zwei Niederlassungen vertreten: Im Industriepark Goleniów betreibt Rhenus Logistics ein knapp 37.000 Quadratmeter großes E-Commerce-Lager, während Rhenus Port Logistics Hafen- und Zolldienstleistungen von der Stettiner Flussinsel Łasztownia aus anbietet. Beide Standorte arbeiten eng zusammen.

Essen und Trinken
Das regionale Gericht Paprykarz szczeciński ist ein Brotaufstrich aus Fisch, Reis und scharfer Paprika. Die Stettiner Spezialität kostet man am besten im Restaurant Paprykarz Fish Market in der Aleja Papieża Jana Pawła II 42. Tipp: Ein typischer Stettiner Snack feiert in diesem Jahr seinen 50-jährigen Geburtstag  Paszteciki szczeciński. Die frittierten Hefeteigrollen, die man zum Beispiel am Hauptbahnhof bekommt, werden mit Fleisch oder vegetarisch mit Pilzen, Kraut oder Käse gefüllt.

Abendprogramm
Die modernste Philharmonie Polens, ausgezeichnet mit dem Mies van der Rohe Award, steht in Stettin. Tickets für Konzerte gibt es schon ab sechs Euro. Tipp: Jazz, Popcorn und Drinks unter Rauchglocken wer die Stufen zur Bar 17 Schodow in der Targ Rybny 1 hinabsteigt, kann sich auch auf eine ganz besondere Auswahl an Cocktails freuen.

Einkaufen
Mitten im Stadtzentrum laden die beiden großen Malls Galeria Kaskada und Galaxy Centrum zum Shoppen ein. Tipp: Ein leckeres Mitbringsel ist der Stettiner Peperkoken. Maritime Lebkuchenmotive wie Anker, Schiffe und Möwen findet man in der Bäckerei Filipinka, Stanisława Ignacego Witkiewicza 1B.

Sehenswert
Beeindruckend ragt die 500 Meter lange Hakenterrasse, heute Wały Chrobrego genannt, über den Stettiner Hafen. Sie ist eine der schönsten europäischen Aussichtsterrassen und ein Muss für jeden Stettinbesucher. Tipp: Steigt man die Stufen der Hakenterrasse hinab, kann man eine Hafentour auf einem Ausflugsschiff starten. In den Sommermonaten gibt es auch eine Fährverbindung über das Stettiner Haff nach Swinemünde auf Usedom.

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Die Welt dreht sich jeden Tag etwas schneller. Alles wird anders, alles wird neu. Auch im Hinblick auf unser Unternehmensmagazin wagen wir gern Neues. Deshalb finden Sie das Editorial von CEO Klemens Rethmann erstmals als Video online unter: www.bit.ly/KRethEdDE
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Reportage 02/19

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Ganz nah am Kunden

Die europäische Logistik-Leitmesse findet alle zwei Jahre in München statt und ist das wichtigste Branchenevent für alle, die mit Logistik und Transport zu tun haben. Wie bereits in den Vorjahren ließ es sich auch die Rhenus-Gruppe nicht nehmen, im Rahmen dieses Mega-Events für Interessenten und Kunden als Ansprechpartner vor Ort zu sein. Professionelle Lösungen entlang der Supply Chain, die Kundenanforderungen dabei stets fest im Blick – das ist das Kerngeschäft der Rhenus-Gruppe.
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Deus ex Machina

Die Automatisierung von Prozessen hat sich längst als einer der Megatrends der Logistik 4.0 etabliert. Ob durch autonome Fahrzeuge, selbstständig arbeitende Produktionsarme oder Stapler, die von selbst Paletten im Lager heben – die immer leistungsstärkere künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt. Und sie bringt Sorgen der Mitarbeiter mit sich darüber, ob man sie überhaupt noch braucht. Doch bei Rhenus ist es anders: Hier stehen die Mitarbeiter im Vordergrund – und wie ihre Arbeit durch moderne Technologien für eine effektive Logistik erleichtert wird.
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Grüne Fahrt

Der politische Wille ist groß, der tatsächliche Einsatz von Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen allerdings noch rar. Eine Tatsache, die der Fahrzeugprovider Rhenus Trucking ändern will: Mit dem Terminalbetreiber Contargo konnte die Rhenus-Tochter einen Kunden gewinnen, der ebenfalls auf alternative Antriebe setzt. Im Frühjahr kaufte Rhenus Trucking sechs vollelektrische 40-Tonner. Eine mutige Entscheidung: Kein anderes Unternehmen hat je zuvor in Deutschland eine solche E-Truck-Flotte aufgebaut.
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Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist São Paulo eines der größten Wirtschaftszentren Südamerikas. Der industrialisierte Kaffeeanbau und -export machten die Stadt im gleichnamigen Bundesstaat zum größten Industriezentrum Brasiliens. Heute ist São Paulo – ähnlich wie New York – die Stadt der Finanzdienstleistungen, der Rechtsanwaltskanzleien, Beratungsfirmen und natürlich der Mode: Jährlich findet hier die fünftgrößte Fashion Week der Welt statt.