Nachgefragt 02/19

Im Gleichgewicht

Fortschritt und Kontinuität in Balance

Sie gehören zu den erfahrensten Vorständen in der Rhenus-Welt: Michael Brockhaus und Michael Viefers. Der eine: versierter Kontraktlogistikspezialist. Der andere: routinierter Experte für Hafenlogistik und trimodalen Massenguttransport. Im Interview mit Astrid Unverricht sprechen sie über die Entwicklung der Rhenus, den Wandel, Innovationsgeist und die Bedeutung dessen, was bleibt.

Herr Viefers, als Sie 1993 bei Rhenus angefangen haben, waren Sie gerade 30 Jahre jung. Wie hat sich Rhenus im Laufe der Jahrzehnte verändert?
Viefers: Zum Glück diametral anders als meine Haarpracht. Aber im Ernst: Rhenus ist hinsichtlich absolutem Umsatz, Dienstleistungsportfolio und Länderpräsenz stark gewachsen.
Brockhaus: Als ich 2002 begann, lagen unsere Standorte entlang des deutschen Wasserstraßennetzes. Heute sind wir mit über 660 Niederlassungen auf allen Kontinenten unterwegs – und wachsen weiter.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?
Viefers: Sicherlich die Vielfalt der Aufgaben. Als Logistiker haben Sie eine Querschnittsfunktion und erleben den Wandel in den unterschiedlichsten Branchen und Regionen. Wenn man dabei ein wenig mitgestalten darf - umso besser.

Viele Manager bleiben nur einige Jahre in einem Unternehmen und suchen dann nach neuen Herausforderungen. Was hält Sie beide schon so lange bei Rhenus?
Brockhaus: Logistik ist einfach sehr spannend. Um die Anforderungen des Marktes und unserer Kunden zu erfüllen, entwickeln wir immer wieder neue Lösungen. Zudem schätze ich die gestalterischen Freiheiten unseres Familienunternehmens und unseren Erfolg als Team.
Viefers: Der stetige Wandel führt dazu, dass wir uns auch bei Rhenus permanent neuen Herausforderungen stellen müssen, etwa durch die demografische Entwicklung, die Digitalisierung oder neue gesetzliche Anforderungen. Außerdem gibt es in unserer Gruppe so viele unterschiedliche Unternehmen, da braucht man gar nicht fremdgehen.

Stichwort Wandel: Wie hat sich der Geschäftsbereich Contract Logistics in den vergangenen Jahren verändert?
Brockhaus: Unsere Kunden erwarten von uns, dass wir viel flexibler agieren, und die Vorlaufzeiten für Projekte sind heute deutlich kürzer als noch vor einigen Jahren. Früher konnte man nach Abschluss eines Vertrages erst noch eine Immobilie bauen – heute braucht man das passende Logistiklager schon bei der Unterzeichnung. Es ist auch viel schwieriger, ein Geschäft über mehrere Jahre zu planen, denn unsere Kunden sind natürlich ebenfalls dem Wandel unterworfen.

Im Gleichgewicht

Welche Bedeutung hat Veränderung für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens?
Viefers: Nichts ist so beständig wie der Wandel! Veränderungen - möglichst proaktiv - sind der Kern unternehmerischen Handelns. Nur so kann man erfolgreich sein.

Trotz Veränderungen legt Rhenus großen Wert auf langfristige Beziehungen - sei es mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern. Warum ist Kontinuität ebenfalls wichtig?
Brockhaus: Projekthochläufe erfordern viel Energie und hohe Investitionen - bei uns und beim Kunden. Durch gemeinsame Erfahrungen und Kenntnisse aus einer kontinuierlichen Zusammenarbeit wird dann Partnerschaft. Damit können wir Ideen schneller umsetzen und gelegentliche Probleme leichter ansprechen und lösen.

Lähmt Kontinuität nicht manchmal den Fortschritt?
Brockhaus: Die Versuchung ist bestimmt da - die berüchtigte Komfortzone lockt. Andererseits können wir aus der Kontinuität der Rahmenbedingungen viel einfacher etwas Neues wagen - wir beherrschen das Umfeld ja gut. Ich sehe gerade in der letzten Zeit viele Mitarbeiter, die diesen Fortschritt aktiv betreiben - und nicht nur einfordern. Wenn das dann noch über die Geschäftsfelder hinweg geschieht, dann schlägt mein Herz etwas schneller. Denn ein Team bringt so viel mehr Fähigkeiten zusammen als jeder Einzelne es könnte.

Welche Innovationen werden derzeit bei Rhenus schon umgesetzt?
Brockhaus: Neben der IT-Weiterentwicklung fördern wir derzeit vor allem Projekte, die den Informationsfluss, die Effizienz sowie die Arbeitssicherheit steigern und gleichzeitig die Belastung der Mitarbeiter reduzieren.
Viefers: Einen breiten Raum nimmt die Digitalisierung ein. Für den Intermodal-Bereich entwickeln wir seit einigen Jahren eine komplett eigene IT-Landschaft. Hier wurden schon App-Anwendungen für den Kunden und die Fahrer implementiert, sodass wir vollautomatisch Zeitfenster am Terminal vergeben können. Der nächste Schritt ist die Automatisierung der Hübe. Ähnliches wird in den Hafenbetrieben gefördert. In den Transportbereichen entwickeln wir ebenfalls eigene Anwendungen bis hin zu Kalkulations- und Buchungsplattformen.

Stichwort Wandel

Wie fördern Sie den Innovationsgeist Ihrer Mitarbeiter?
Brockhaus: Oftmals sind die Mitarbeiter selbst ganz begeistert von Neuentwicklungen, weil sie deren Effizienz sehen und die verbesserte Leistung für den Kunden. Damit alle Mitarbeiter an unseren Innovationen teilhaben können, haben wir eine Plattform aufgebaut, auf der Mitarbeiter offen und unternehmensweit ihre Erfahrungen teilen können. Gleichzeitig haben wir Innovation Sponsorships eingeführt.

Wer profitiert von diesen Förderungen konkret?
Brockhaus: Innovationen kosten Zeit und zunächst oftmals auch Geld. Damit sich unsere Niederlassungen nicht zwischen Betriebsergebnis und Innovation entscheiden müssen, stellen wir ein Budget zur Verfügung. Daraus unterstützen wir derzeit mehr als 25 Projekte mit über einer Million Euro – wobei für gute Ideen immer weiteres Geld bereitsteht.

Wagen Sie einen Blick in die Glaskugel: Wie wird sich Rhenus im kommenden Jahrzehnt weiterentwickeln?
Viefers: Ich bin überzeugt, dass wir unser Wachstum nachhaltig fortsetzen werden. Gleichzeitig wird in einigen Geschäftsfeldern auch ein Umdenken nötig sein – etwa im Bereich der fossilen Brennstoffe. Ich bin aber zuversichtlich, dass es uns gelingt, die Anforderungen der Digitalisierung und die Auswirkungen des demografischen Wandels erfolgreich umzusetzen.
Brockhaus: In zehn Jahren werden wir noch internationaler sein und unseren Kunden mit projektspezifischen Lösungen zu weiterer Marktbedeutung verhelfen. Für unsere Mitarbeiter werden wir auch künftig ein Unternehmen sein, in dem sie sich entfalten und ihre sowie die Zukunft der Rhenus maßgeblich mitprägen können.

 

Michael BrockhausMICHAEL BROCKHAUS
Michael Brockhaus ist seit 17 Jahren im Vorstand der Rhenus und damit der dienstälteste Vorstand. Bevor er im September 2002 zur Rhenus kam, war der Diplom-Kaufmann für die Boston Consulting Group und die Stinnes AG tätig. Als Vorstandsmitglied verantwortet Michael Brockhaus heute die Geschäftsfelder Warehousing Solutions und Automotive.
 

Michael ViefersMICHAEL VIEFERS
Mehr als ein Vierteljahrhundert gehört Michael Viefers bereits zur Rhenus-Familie. Der studierte Diplom-Agraringenieur leitete im Alter von 30 Jahren zunächst die Niederlassung der Rhenus Recycling in Essen. 2003 wurde er Geschäftsführer, im Mai 2005 folgte die Berufung zum Vorstandsmitglied für den Bereich Port Logistics.

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