New@Rhenus 02/19

Grüne Fahrt

Rhenus Trucking baut erste E-LKW-Flotte in Deutschland auf

Der politische Wille ist groß, der tatsächliche Einsatz von Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen allerdings noch rar. Eine Tatsache, die der Fahrzeugprovider Rhenus Trucking ändern will: Mit dem Terminalbetreiber Contargo konnte die Rhenus-Tochter einen Kunden gewinnen, der ebenfalls auf alternative Antriebe setzt. Im Frühjahr kaufte Rhenus Trucking sechs vollelektrische 40-Tonner. Eine mutige Entscheidung: Kein anderes Unternehmen hat je zuvor in Deutschland eine solche E-Truck-Flotte aufgebaut.

DIT Duisburg Intermodal Terminal

Rückblick. 6. Mai 2019, DIT Duisburg Intermodal Terminal:
Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien warten voller Spannung auf eine ganz besondere Schlüsselübergabe. An diesem Maimontag nimmt Rhenus Trucking den Schlüssel des ersten vollelektrischen Lkw ihrer neuen E-Flotte entgegen und übergibt diesen an ihren Kunden Contargo. Selten steht Rhenus Trucking so im Rampenlicht. Die Rhenus-Tochter, die als Dienstleister Fahrzeuge samt Fahrer an andere Rhenus-Gesellschaften vermietet, tritt sonst meist nur intern in Erscheinung.

Für Sascha Hähnke, Geschäftsführer der Rhenus Trucking, ist die Schlüsselübergabe ein Gänsehautmoment: „Es ist toll, dass wir mit Contargo einen Kunden gefunden haben, der genauso innovativ denkt wie wir und sich aktiv für Nachhaltigkeit einsetzt“, sagt er stolz. Doch die Umsetzung des Projektes war alles andere als einfach, denn es gibt erst wenige Hersteller von großen, batteriebetriebenen Lkw im Markt. Die Suche dauerte ganze zwei Jahre.

Die neue Rhenus-E-Flotte

  • Fahrzeuge: sechs 40-Tonner
  • Hersteller: DAF, Framo, E-Force
  • Kunde: Contargo
  • Einsatzorte: Duisburg, Neuss, Emmerich
  • Reichweite: 100 bis 250 Kilometer
  • CO2-Einsparung pro Jahr: 400 Tonnen | bis zu 90 Prozent 

Rhenus Trucking als Vorreiter
Innerhalb der Rhenus-Gruppe ist Rhenus Trucking darauf spezialisiert, neue Technik und nachhaltige Fahrzeuge auszutesten. So hatte der Serviceprovider zuvor schon Hybrid-Lkw wie den Mercedes Atego gefahren. „Unser Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern wir bündeln Innovationen, Fahrzeugtechnik, Qualifizierung und Weiterbildung von Berufskraftfahrern. Dies kommt dann allen Einheiten zugute“, so Hähnke.

Der Kauf der großen E-Lkw erscheint da nur konsequent, aber ist dennoch ein mutiger Schritt. Das weiß auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst: „Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie Vorreiter sind“, lobt er bei der Fahrzeugübergabe. Im Vergleich zu Diesel-Trucks kosten Elektro-Lkw rund dreimal mehr. Je nach Bauart liegt die Reichweite aber nur zwischen 100 und 250 Kilometern – danach muss die Batterie aufgeladen werden. Oftmals muss hierfür erst die notwendige Ladeinfrastruktur geschaffen werden und der Fahrzeugeinsatz muss die Ladezeit zulassen.

„Für lange Strecken im Fernverkehr eignen sich E-Trucks daher noch nicht. Sie sind aber eine sinnvolle Alternative im Nahverkehr, nicht erst, seit es Umweltzonen und Dieselfahrverbote in Innenstädten gibt“, ist Hähnke überzeugt.

Dafür, dass Rhenus Trucking mit ihrer E-Flotte emissionsarme Verkehre ermöglicht und dem Thema E-Mobilität einen Schub nach vorn verleiht, gibt es Anerkennung aus der Branche. Die Fachmagazine VerkehrsRundschau und TRUCKER verliehen an Rhenus, Contargo und DAF den Preis „Green Truck Logistic Innovation 2019“.

Bis zu 90 Prozent weniger CO2
Auch wenn beim Aufladen der Batterien dieses Jahr zum Teil noch konventioneller Strom genutzt wird, lässt sich der Verbrauch von Kohlenstoffdioxid (CO2) mit den E-Lkw um rund 40 Prozent senken, bei Nutzung von Ökostrom sogar um bis zu 90 Prozent. Das ist dringend nötig, denn schwere Nutzfahrzeuge sind für rund ein Viertel aller CO2-Emissionen im Verkehrssektor verantwortlich.

Um verschiedene Modelle auszutesten, hat Rhenus Trucking Fahrzeuge bei drei Herstellern gekauft: Je zwei Lkw beim niederländischen Unternehmen DAF, zwei bei der deutschen Framo und zwei bei der Schweizer E-Force. Sie sollen künftig für den Containertransport an den Contargo-Terminals in den Häfen Duisburg, Neuss und Emmerich eingesetzt werden.

„Da zu unseren Zielen die Dekarbonisierung bis 2050 gehört und insbesondere Lkw und Schiffe beim Transport die meisten CO2-Emissionen verursachen, setzen wir hier an. Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil unserer unternehmerischen Aktivitäten“, erklärt Kristin Kahl, verantwortliche Contargo-Mitarbeiterin für Sustainable Solutions. „Wir gehen neue Wege, sparen ab sofort CO2 ein und sind gespannt auf die Kundenreaktionen“, resümiert sie.

Einsatz im Nahverkehr
Durchschnittlich bewegen sich die Rhenus-E-Lkw in einem Radius von 40 Kilometern rund um die Terminals ihrer Einsatzorte an Rhein und Ruhr. Dabei sind die batteriebetriebenen Trucks auf zwei bis drei Touren täglich unterwegs und legen dabei pro Lkw im Durchschnitt 240 Kilometer zurück.

Im Auftrag der Rhenus-Gruppe
Seit zehn Jahren ist Rhenus Trucking zur Stelle, wenn andere Rhenus-Gesellschaften Fahrzeuge und Fahrer benötigen. Neben Contargo vermietet sie ihre Trucks hauptsächlich an Rhenus Freight und den Wertstoff- und Massengutlogistiker Rhenus RETrans. Der Sitz der Rhenus Trucking befindet sich in Duisburg, Werkstätten in Unna und Plaid. Der Truck- Provider beschäftigt zudem eigene Fahrtrainer, die weiterbilden und in niedrigeren Spritverbräuchen schulen.

Technologie offen

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Technologieoffen: Batterie, Wasserstoff, Gas
Rhenus Trucking und Contargo haben es gemeinsam gemacht. Beide sind langjährige Partner: „Wir streben immer eine mehrjährige Zusammenarbeit an, von der beide Seiten profitieren. Durch unser Netzwerk können wir nicht nur gute Konditionen bieten, sondern garantieren auch Unabhängigkeit gegenüber den Entwicklungen des externen Marktes“, verspricht Hähnke.

Welche Zukunft Elektrofahrzeuge haben, kann auch Hähnke nicht vorhersagen. Längere Akkulaufzeiten und intelligente Schnellladestationen, die mit der Disposition verknüpft werden, könnten die Attraktivität aber weiter erhöhen. An eine vollständige Umstellung aller Lkw auf Elektro glaubt Hähnke indes nicht.

Dies sieht auch Rhenus-Vorstand Michael Viefers ähnlich: „Wir sind technologieoffen und möchten unsere Fahrzeugflotte stetig nachhaltiger machen. Unabhängig davon, ob die Fahrzeuge dieser mit Batterie, Wasserstoff, LNG oder CNG betrieben werden.“

Sicher ist: Die Fahrzeugflotte der Rhenus Trucking wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln und dabei an marktreifen Innovationen orientieren. Gerade erst hat das Unternehmen LNG- und CNG-Fahrzeuge ins Visier genommen und getestet.

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