Nachgefragt 01/20

Eine Frage der Chemie

Was lange währt

Im Juni 2019 feierten Merck, das älteste Pharma- und Chemieunternehmen der Welt, und Rhenus Logistics ihre fast zehnjährige Zusammenarbeit. Seit letztem Jahr betreibt die französische Rhenus-Tochter auch ein Lager im Straßburger Hafen exklusiv für Merck. Manfred Fischer, Head of Distribution EMEA, Latam & Global Transport Merck Life Science, sowie Laurent Schuster, CEO der Rhenus Logistics Frankreich, sprechen über Erfolgsrezepte, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven.

Laurent Schuster
Nach seinem Studium an der Universität Paris-Dauphine war Laurent Schuster 15 Jahre in der Industrie tätig. 2008 wechselte er als Finanzdirektor zur britischen Wincanton. Seit September 2018 leitet Schuster Rhenus Logistics in Frankreich.

Manfred Fischer
Manfred Fischer studierte Chemie-Ingenieurwesen und arbeitet seit fast 34 Jahren bei Merck, davon seit rund 30 Jahren in verschiedenen Positionen in der Supply Chain und Logistik. Derzeit verantwortet er die Distribution von Life Science im Wirtschaftsraum Europa-Arabien- Afrika (EMEA) sowie Lateinamerika.

Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig von den Anfängen Ihrer Partnerschaft in Frankreich. Wie kam es dazu und wie hat sich die Kundenbeziehung im Laufe der Jahre entwickelt?

Schuster: Nachdem wir zunächst Zollabfertigungen für Merck übernahmen, kamen nach und nach auch Transport- und Logistikaktivitäten hinzu. Mit dem Wachstum des Produktionsstandortes von Merck in Molsheim, das nur rund 25 Kilometer von Straßburg entfernt liegt, hat auch Rhenus in Straßburg ihre Dienstleistungen erweitert – bis hin zum eigenen Lager für Merck.

Fischer: Es gibt heute eine intensive, sozusagen tägliche Zusammenarbeit zwischen dem Rhenus-Team und dem Merck- Team in Straßburg. Dies zahlt sich am Ende durch ein gutes gegenseitiges Verständnis und einen guten Service aus.

Ein guter Service verlangt vor allem das Know-how der Mitarbeiter und die geeignete Infrastruktur. An die Lagerung pharmazeutischer und chemischer Produkte werden zu Recht hohe Anforderungen gestellt. Wie haben Sie das im Lager umgesetzt?

Schuster: Wir verfügen über ein spezielles Qualitätsteam und erfüllen eine Vielzahl von spezifischen Vorschriften im Pharmasowie Gesundheitsbereich. Darüber hinaus sind unsere Mitarbeiter für den Umgang mit gefährlichen Produkten bei niedrigen Temperaturen geschult.

Welche Herausforderungen gab es bisher bei Ihrer Zusammenarbeit?

Fischer: Es ist uns durchaus bewusst, dass wir kein einfacher Kunde sind. Wir haben zwar nur eine geringe Saisonalität, stellen aber hohe Anforderungen an Qualität und Service. Um diese Anforderungen umzusetzen, braucht es eine lange Lernkurve. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Qualitätsanforderungen und die kundenspezifischen Anforderungen weiter steigen werden.

Schuster: Unsere größte Herausforderung war, unsere Mitarbeiter zu Logistikexperten für Merck auszubilden. Die Produktpalette ist breit gefächert und reicht von kleinen Antikörperfläschchen bis hin zu Filtrationsgeräten, die mehrere 100 Kilo wiegen. Mit den vorhandenen Lagerkapazitäten und unseren IT-Tools können wir aber sehr gut auf die Anforderungen des Kunden eingehen.

Herr Fischer, nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Logistikpartner aus und warum haben Sie sich dazu entschlossen, mit Rhenus zu arbeiten?

Fischer: Wir setzen auf langfristige Partnerschaften mit unseren Lagerdienstleistern. Rhenus ist wie wir ein familiengeführtes Unternehmen, das ebenfalls langfristig denkt.

Was sind denn aus Ihrer Sicht entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kunde und Dienstleister?

Fischer: Neben einer langfristigen Zusammenarbeit zählen für uns eine gut abgestimmte Strategie, ein intensiver Austausch auf der Arbeitsebene und am Ende natürlich auch Vertrauen.

Schuster: Durch den engen Austausch gelingt es, die Probleme seines Partners zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden. Das funktioniert nur, wenn der Dienstleister die Bedürfnisse des Kunden versteht und auch dessen Verpflichtungen berücksichtigt. Die Reaktionsfähigkeit und Schnelligkeit bei der Umsetzung neuer Projekte sind ebenfalls unerlässlich.

Inwieweit hat sich die Logistik für Ihre Produkte durch die Digitalisierung und technischen Innovationen in den letzten Jahren weiterentwickelt?

Fischer: Wir verbessern auf beiden Seiten ständig die IT-Systeme. Bei Rhenus in Straßburg haben wir ein neues Warehouse- Management-System eingesetzt, das sehr professionell gemanagt wurde, bei Merck sind wir gerade dabei, ein neues ERP-System zur Steuerung unserer globalen Prozesse einzuführen.

Welche Verbesserungspotenziale logistischer Prozesse entlang Ihrer Supply Chain sehen Sie noch?

Fischer: Wir gehen davon aus, dass wir mit einer Vereinheitlichung unserer IT-Systeme deutliche Verbesserungen in unserer Supply Chain und bei unseren Beständen erzielen können. Bis dahin optimieren wir unsere Prozesse ständig. Uns ist bewusst, dass das nur mit unseren Logistikpartnern geht.

Schuster: Die Digitalisierung von Prozessen muss weiter verstärkt werden. Unsere Kunden müssen ihren Kunden beispielsweise den Status von Bestellungen in Echtzeit übermitteln können und wir müssen in der Lage sein, Lieferadressen zu ändern, auch wenn die Ware unser Distributionszentrum schon verlassen hat.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie wird die Lagerlogistik in zehn Jahren aussehen?

Schuster: Sicherlich wird es weiterhin Mitarbeiter in unseren Lagern geben, die von Robotern unterstützt werden. Das Lager von morgen muss sehr flexibel und anpassungsfähig sein und über IT-Systeme verfügen, die mehr Robustheit, Flexibilität und Intuition für die Nutzer bieten. Um uns für die Zukunft zu rüsten, hat Rhenus hier eine internationale Innovationsgruppe eingerichtet.

Und wie sehen Sie Merck in der Zukunft aufgestellt, Herr Fischer?

Fischer: Wir wachsen derzeit bei Merck Life Science deutlich stärker als der Markt und erwarten, dass sich dieses Wachstum weiter fortsetzen wird. Daraus erwächst, dass wir das Volumenwachstum und die wachsenden Lagerkapazitätsanforderungen proaktiv managen müssen. Die Logistik der Zukunft wird noch digitaler sein, die Qualitätsanforderungen werden weiter steigen und natürlich werden unsere großen Kunden nicht aufhören, neue Anforderungen zu definieren. Die Zukunft wird also spannend bleiben. Für Merck und für Rhenus.


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Eckdaten Lager:
-18.000 Quadratmeter
-15.000 verschiedene Produkte
-50 Gefrierschränke
-7 unterschiedliche Temperaturbedingungen

Distribution aus dem Elsass
Seit Anfang 2019 betreibt Rhenus Logistics in Straßburg ein eigenes Logistiklager für Merck. Der Logistikdienstleister kontrolliert, verpackt und bereitet die Produkte für den Versand vor - größtenteils noch am Tag der Bestellung.

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